Freitag, 20. Mai 2022


Theater

18. Mai 2021 im Zentraltheater

Gegen die Wand

Nach dem Kinofilm von Fatih Akin Bühnenfassung von Armin Petras

Premiere am Dienstag, 18. Mai 2021 um 19:30 Uhr im Zentraltheater
(Paul-Heyse-Straße 28, 80336 München)
Weitere Vorstellungen am Mi, 19. / Do, 20. / Fr, 21. Mai 2021
NEU Zusatztermine: Fr, 25. / Sa, 26. und So, 27. Juni 2021jeweils um 19:30 Uhr

Regie, Bühne, Kostüm, Textfassung, Dramaturgie: Ercan Karaçayli
Regieassistenz: Marie Schüdel
Video: Alex Hiebl
Fotos: Ermira Zeqiraj
Mit: Ercan Karaçayli, Laura Jessat, Michele Cuciuffo, Christine Adler

Tickets: 20 € / erm. 15 €
Online-Reservierung: www.zentraltheater.deEs gelten die aktuellen Hygienebedingungen, die Sie auf der Homepage des Zentraltheaters nachlesen können.

»Als ich gegen die Wand gesehen habe, hat mir der Film überhaupt nicht gefallen.

Der Film hat nicht nur türkische Verhältnisse falsch oder überzogen dargestellt, sondern auch willkürlich Gewalt. Wenn sich Sibel mehrmals die Adern aufschneidet, Cahit sich rücksichtslos gegen sich und seine Umwelt verhält, dann überzieht er, meiner Ansicht nach, jedwede Nachvollziehbarkeit.
Sibels Lebenslust sieht eher aus, als ob die Schauspielerin sich drüber freut, in einem Kinofilm die Hauptrolle zu spielen und wenn Cahit Sachen kaputt macht oder Gewalt ausübt, sieht es eher aus, als ob der Schauspieler daran Freude hat, Dinge zu zerstören. Die Willkür in der Darstellung der Figuren stoßen mich ab. Die Erzählung verharrt in Zuständen und wiederholt sich in Exzessen. Die Flucht von Sibel nach Istanbul ist für mich nicht nachvollziehbar. Sie ist in Deutschland geboren und kennt die Türkei mutmaßlich aus dem Urlaub. Ihre Eltern repräsentieren die Werte der Türkei. Dieselben Werte aus denen sie sich durch die Scheinehe mit Cahit befreien möchte. In Istanbul verhält sie sich gegenüber ihrer helfenden Verwandten merkwürdig feindselig. Warum stürzt sie sich in die Selbstzerstörung? In »Gegen die Wand« scheint Selbstzerstörung cool und ohne Schmerzen möglich zu sein.
Für mich passt in diesem Film nichts zusammen.

Außer: es vermittelt sich mir einzig die Sehnsucht nach selbstbestimmtem Glück.
Die Figuren schreien regelrecht danach.
Trotz der Beweggründe aus türkischer Tradition heraus, hat die Geschichte der beiden keine echte Bindung zu ihrem Migrationshintergrund, was, meiner Meinung nach, dem Film und der Sicht auf Menschen mit Migrationsvordergrund sehr gut tut. Es wird eine Geschichte von zwei verzweifelten Menschen erzählt.

Die Theater-Version von Armin Petras orientiert sich im Wesentlichen an den zwischenmenschlichen Begegnungen der Figuren und lässt dadurch viele Möglichkeiten für künstlerischen Freiraum.
Diesen Freiraum und selbstverständlich auch die sehr gut geschriebenen Dialoge möchte ich nutzen, um genau danach zu suchen, was mir im Film gefehlt hat.
Die glaubwürdige Geschichte zweier Menschen auf der Suche nach Lebensglück vor dem Hintergrund individuellen Ballasts, den man zwangsläufig durch Herkunft und Schicksal aufgebürdet bekommt.

Es ist meine eigene Geschichte die ich hier im Stück »Gegen die Wand« erzählen möchte.«

Ercan Karaçayli


Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München.



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